Clean Dopamine Part 1

Clean Dopamine – Teil 1: Vorgeschichte

Ich war ein sportlicher Mann, der sich gut ernährte. Für längere Zeit war ich regelmäßig im Fitness Center und stieg dann auf Kampfsport um, weil das zum damaligen Zeitpunkt effizienter war. Ich aß viel Fisch, Meeresfrüchte, Nüsse, weitere Eiweißlieferanten und natürlich andere gesunde Gerichte. Und auch wenn ich 1x die Woche sündigen durfte, also Süßigkeiten oder Fastfood essen, reizte es mich nicht und es kam höchstens 1x im Monat vor, dass ich sündigte.

Wegen einer Nasenoperation musste ich über 6 Monate mit jeglichem Sport aufhören. Nicht einmal Joggen war erlaubt, da die Stöße sich negativ auf den Heilungsprozess hätten auswirken können. Da saß ich also. Komplett aus einer harten Sportroutine entzogen.

Der schleichende Prozess der Abhängigkeit

Es ist sehr ungewohnt nichts Sportliches zu machen, wenn man regelmäßig Sport gemacht hat. Klar, es war ja auch eine Gewohnheit. Doch mein Gehirn wollte es nicht wirklich akzeptieren, dass ich absolut nichts mehr machen durfte. Ständig war der Drang da, etwas machen zu wollen und sich zu bewegen.

Alles was mit Sport zu tun hatte, musste nun weichen. Und plötzlich hat man um einiges mehr Zeit, mit der man nichts anfangen kann. Ein neues Hobby anzufangen kommt nicht in Frage, weil ich nach der 6-monatigen Sportsperre wieder mit dem Sport anfangen werde. Mir war zwar bewusst, dass ich nicht wieder an dem Punkt einsteigen konnte, wo ich aufgehört habe, doch wusste ich auf jeden Fall, wie ich da hin komme.

Wenn man zu viel Zeit hat, passieren auf jeden Fall zwei Dinge. Man denkt über das Leben nach und man wird bequem. Da das freie Denken für Menschen die eine Routine brechen, sehr anstrengend und unangenehm ist, bevorzugen wir das Letztere. Schnell fand ich YouTube Kanäle, auf denen täglich interessante Videos hochgeladen wurden und endlich hatte ich auch genug Zeit, um all die Filme zu sehen, die ich schon immer sehen wollte.

Wird man unterhalten, will man etwas zum Knabbern, und ist die Unterhaltung auch noch spannend, so will man noch mehr. Ganz traditionell gibt es Popcorn mit Zucker, Chips und Limonade zum Film. Es ist ja nicht schlimm, wenn es die Ausnahme ist.

Unterhalten zu werden, nimmt einen großen Teil meiner täglichen Zeit ein. Egal in welchem Raum ich mich befinde. Auf dem Handy, PC oder sonstigen Geräten läuft etwas, was mich unterhält. Und da ich zur Unterhaltung essen muss, kommt es auch nicht selten vor, dass ich eine Tafel Schokolade an einem Abend verdrücke. Immer gefolgt von der Ausrede „Dieses kurze Video noch!“ und mit dem Gedanken „Danach mache ich wieder etwas Produktives“, lüge ich mich regelmäßig selbst an.

Es kamen nicht nur neue Sachen auf meinem Speiseplan hinzu, es wurden auch Sachen entfernt. So waren Fisch, Meeresfrüchte und Nüsse nach ein paar Monaten gar nicht mehr auf meiner Speisekarte zu finden. Aber da ich nun ein bequemer Mensch war, waren Fertiggerichte, hauptsächlich aus Nudeln oder Reis, oft als komplette Mahlzeit zu finden.

Das böse Erwachen

Wahrscheinlich hat der ein oder andere aufmerksame Leser schon die Theorie aufgestellt, dass der Wiederanfang mit Sport nichts wurde. Und genau das ist der Fall. Etwa 1 Jahr nach der Operation habe ich es halbherzig hinbekommen, hin und wieder Liegestützen und Bauchmuskeltraining zu machen. Weitere 6 Monate später war ich fest davon überzeugt, dass unter der Fettschicht am Bauch meine Bauchmuskeln sind. Vielleicht ist dies auch wirklich so, doch warum trainiere ich meinen Bauch, wenn ich mir am selben Tag unglaubliche Mengen an Süßigkeiten reindrücke, die genau das Gegenteil bewirken?

Plötzlich blicke ich zurück darauf, wie fit, zufrieden, lebensfroh und gesund ich war. Was ist mit mir passiert? Es gab doch Zeiten, wo ich höchstens 1x im Monat etwas Süßes essen wollte und jetzt vergeht kein Tag an dem ich nicht haufenweise Süßigkeiten und weitere ungesunde Sachen in mich hineinstopfe. Und solch ein Fressgelage wird immer während eines Films, Serie oder YouTube Videos abgehalten.

Ok, ich scheine abhängig von mehreren Sachen zu sein, ohne es bemerkt zu haben.

Doch wie bekämpfe ich meine Süchte und komme ich aus dem Elend wieder heraus?

Hier geht es zu Clean Dopamine – Teil 2: Erkenntnis ja, Handeln nein