Clean Dopamine Part 6

Clean Dopamine – Teil 6 – Flucht vor Unterhaltungsmedien

In jeder Challenge bei der es um Verzicht geht, fühle ich mich wie ein Junky, der auf Entzug ist. Doch diesmal hat es mich stark an meinen Blackouttag erinnert, weil ich wieder an meinem selten benutzten Küchentisch saß und mich anderweitig beschäftigen musste. Es schien unmöglich, auf die Flimmerkiste zu verzichten, doch was dann passierte, erstaunte mich selbst.

Kein Erfolg ohne Vorbereitung

Wie immer bereite ich mich gut vor, bevor ich etwas Größeres in meinem Leben ändere. Und diesmal ist es sehr groß, denn Unterhaltungsmedien sind überall in meinem Leben.
Es müssen also einige Alternativen her:

Gesunde Gerichte kochen

In der letzten Challenge bei der es um Ernährung und Sport ging, habe ich schon gelernt, einige Gerichte selber zu kochen. Durch die gewonnene Zeit kann ich jeden Tag in größeren Mengen kochen und diese Gerichte einfrieren oder sogar ins Büro mitnehmen.

Sudokus lösen

Seit Jahren habe ich schon ein Sudokubuch in meiner Wohnung herumliegen und es wird nur nach Bedarf in die Hand genommen. Doch hatte ich schon seit längerem keinen Bedarf, bzw. „keine Zeit“ mehr, weil ich das meiste meiner Zeit in Unterhaltungsmedien investiere. Jetzt ist die Zeit gekommen, in der ich wieder analog meinen Kopf trainieren kann.

Zeichnungen anfertigen

Schon seit geraumer Zeit versuche ich zu zeichnen. Ich war sogar schon vor einigen Jahren in einem Zeichenkurs, doch so richtig funktionieren will es nicht. Klar, man muss einer täglichen Zeichenroutine folgen, um gut zu werden, doch genau da hapert es bei mir.

Unerledigte Aufgaben erledigen

Der wohl wichtigste Punkt ist, dass ich mich auf meine Ziele im Leben konzentrieren kann, ohne ständig abgelenkt zu sein. Bis zum Ende des Monats (ca. 10 Tage) möchte ich noch ungefähr 30 ToDos erledigen. Nur leider sind es noch überwiegend Aufgaben der unbequemen Art. Zeug, das vielleicht nicht viel Zeit braucht, ich jedoch oft vor mir herschiebe.

Aus dem Auge, aus dem Sinn

Bei einem großen Fernseher ist es sehr schwierig, diesen nicht im Blickfeld zu haben. Ständig sehe ich ihn und ständig möchte ich ihn anschalten und etwas darauf laufen lassen, egal was. Ich habe also den Fernseher mit einer dünnen Decke abgedeckt, in der Hoffnung, dass wenn ich ihn nicht sehe, ich ihn auch nicht wahrnehme und mein Gehirn so austricksen könnte. Auch wenn der Fernseher mit der Decke sich nicht mehr mit der Fernbedienung einschalten lässt, empfehle ich, auch diese zu verstecken. Sobald man eine Fernbedienung in der Hand hält, scheint es, als ob man dadurch die Genehmigung bekommen hat, die restliche Zeit des Tages zu vergeuden. Daher muss das kleine mächtige Teil außer Sichtweite.

Erfahrungen aus 3 Wochen ohne Unterhaltungsmedien

1. Woche

Am ersten Tag habe ich erst mal verschlafen und nachdem ich mich hektisch ins Auto gesetzt habe und zur Arbeit gefahren bin, ist mir erst nach 2–3 Minuten aufgefallen, dass das Radio läuft. Hier habe ich mich noch nicht bestraft, weil ich, als ich mich erinnert hatte, dass ich mich in einer Challenge befinde, ich das Radio sofort ausgeschaltet habe. Den automatischen Start vom Radio kann man unterbinden, wenn man das Radio ausschaltet, bevor man den Motor aus macht. In den nächsten Tagen ging also auch nicht mehr das Radio automatisch an, als ich das Auto gestartet habe. Musik war verboten, doch durfte ich Hörbücher hören, wenn ich etwas lernte und das Wissen für etwas brauchte. Ich habe nicht ein einziges Hörbuch gehört, weil es mir zu anstrengend war, schon kurz nach dem Aufstehen etwas zu lernen und nach einem stressigen Arbeitstag war ein ausgeschaltetes Radio unglaublich angenehm. Ich kann nur empfehlen, es auch sonst nach der Arbeit zu machen.

Im Büro hängt ein Fernseher in dem Raum, in dem wir zu Mittag essen. Zwar ohne Ton und es laufen nur Nachrichten, doch habe ich mich mit dem Rücken zum TV hingesetzt und mich auf die Unterhaltung der Arbeitskollegen konzentriert. Ich habe jedoch bemerkt, dass die Kollegen oft abgelenkt waren, die Unterhaltung kurz unterbrachen und sich auf den Fernseher fokussierten und sogar mich noch manchmal aufgefordert haben, auf den Fernseher zu schauen, weil irgendwas auf der Welt passiert ist. Und oft war es ungefähr so interessant wie ein Sack Reis, der in China umgefallen ist.

Aus der Gewohnheit heraus wird erst mal etwas zum Essen gemacht, wenn ich nach Hause komme. Oft habe ich richtig Lust auf belegte Brote oder weich gekochte Eier und dann setze ich mich damit auf die Couch und schaue mir YouTube Videos oder Serien an. Doch was ist das? Vor mir ein großes Etwas in Beige. Es ist der verpackte Fernseher, und die Decke hat mich davon abgehalten, die restliche Zeit meines Abends zu verschwenden. Mit meinem Essen bin ich dann zu meinem kleinen Essenstisch gegangen und habe beim Essen aus dem Fenster geschaut. In meiner neuen Wohnung habe ich eine unglaublich schöne Aussicht, doch habe ich mir für diese noch nie aktiv Zeit genommen und es genossen. Zumal ich auch immer die Rollladen runter mache, wenn der Fernseher läuft.

2. Woche

Damit ich nicht versehentlich auf all den zeitraubenden Seiten surfe, habe ich geeignete Plugins für meinen Browser installiert, damit ich diese blockieren kann, noch bevor ich darauf lande. Doch um Seiten zu blockieren, muss ich diese erst aufrufen, damit ich die URL kopieren und in den Filter einfügen kann. Ich blockierte also überwiegend lustige und unterhaltende Seiten und die unterschiedlichsten Videoplattformen. Doch beim Besuchen von einer lustigen Webseite blieb ich unbewusst auf der Seite hängen. Das Plugin (WasteNoTime) hat mir auch angezeigt, wie viel Zeit ich auf den jeweiligen Seiten verbringe. Ich war also schon über 15 Minuten auf einer Webseite die ich blocken wollte und habe mir lustige Bilder angeschaut. Auch wenn es sehr paradox ist, dass man beim Verhindern von Unterhaltungsmedien diese konsumiert, war es nun mal ein Verstoß gegen die Regeln und ich musste meiner Strafe nachgehen.

Meine Strafe war es, für einen Tag nur Brot und Wasser zu essen. Ich habe also am selben Tag noch ein Brot gebacken und am nächsten Morgen in Scheiben geschnitten und fast das ganze Laib Brot an einem Tag gegessen. Ich stellte es mir unglaublich mühsam vor, weil es schon beim Frühstück sehr einseitig war, nichts auf dem Brot zu haben. Auch auf der Arbeit durfte ich nur das Brot zum Mittag essen. Selbst gemachtes Brot schmeckt zwar zigmal besser als das vom Supermarkt und es ist das einzige Brot, was auch wirklich ohne etwas drauf schmeckt, doch spätestens am Abend konnte ich es nicht mehr sehen. Aber ich musste den ganzen Tag aushalten, weil ich meine Belohnung sonst hätte vergessen können und die meiste Zeit der Challenge war schon vorbei. Mit solch einer harten Strafe habe ich es mir auch ziemlich gut in den Kopf einprogrammiert, dass Unterhaltungsmedien böse sind. Am nächsten Tag habe ich mich über eine Schüssel Müsli gefreut und Unterhaltungsmedien noch mehr verflucht.

3. Woche

An einem Abend hatte ich keine Lust, mir selbst Essen zu kochen und bin in eine Dönerbude. Beim Döner steht ein Fernseher, in dem ständig ein Musikprogramm läuft. Es war schwierig, das zu ignorieren. Beim Warten aufs Essen habe ich das Etikett einer Flasche gelesen und versucht, nicht im Takt mit dem Fuß auf den Boden zu tippen.

Selbst im Supermarkt lässt es sich nicht vermeiden, Unterhaltungsmedien zu konsumieren. Dort läuft ständig Musik und in der Elektroabteilung laufen auch ständig hochauflösende hektische Filmszenen, die alles tun müssen, damit ich das Zeug kaufe. Aber auch in der Werkzeugabteilung hängt oft ein Monitor auf dem dauerhaft ein und dieselbe Werbung läuft, um mir vermeintlich weis zu machen, wie toll das beworbene Produkt doch ist und ich es auch brauche. In solchen Situationen habe ich einfach schnell meine Einkäufe erledigt und habe den Laden schnellstmöglich verlassen und mich nicht bestraft, weil ich keinesfalls Unterhaltungsmedien konsumieren wollte.

Fazit

Ohne Unterhaltungsmedien zu leben, funktioniert auf jeden Fall sehr gut. Es ist nur ungewohnt, weil die Alternativen oft aktive Handlungen beinhalten, anstatt dass man nur passiv herumliegt. Doch ab dem Punkt, wo ich meinen Po hochbekommen habe, lief es auch sehr gut.

Es ist nur die eine kleine Hürde, die es zu überwinden gilt, um in die Umsetzungsphase zu kommen. Natürlich ist es leichter einen Knopf zu drücken und sich hinzulegen, doch macht es mehr Spaß als die Alternativen? Sicher nicht! Zumindest haben mir die meisten Alternativen mehr Spaß gemacht und wenn ich erfolgreich Sachen erledigt oder erreicht hatte, dann war die Freude sogar noch größer.

Eine wichtige Erfahrung für mich war auch, dass ich mit Langeweile konfrontiert wurde. In einem Zeitalter, in dem kein Mensch mehr wenige Sekunden ohne Unterhaltung oder Ablenkung klarkommt, ist es sehr wichtig sich gezielt der Langeweile auszusetzen. Oft überkam mich eine Unruhe, doch nach einigen Tagen nutzte ich die neu gewonnene Zeit, um über meine Zukunft und mein Leben nachzudenken. Und wenn ich stark über etwas nachgedacht habe, dann galt es, die Sachen, die in meinem Kopf waren aufzuschreiben. Ein Notizbuch ist also quasi Pflicht, wenn man anfängt, frei und ohne Ablenkungen zu denken.

Das Notizbuch enthält sehr viele unglaublich tolle Gedanken und Ideen, auf die ich sonst nicht gekommen wäre, die mich jedoch auf der Reise zum sauberen Dopamin unterstützen werden. Um was es sich dabei genau handelt, wirst du im siebten Teil von Clean Dopamine erfahren.

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